Warum schreibst du nicht Geschichten?
Kannst du nur Gedichte dichten?
Ich denk, es tut der Seele gut,
Wenn sich's hinten reimen tut.
...
Doch weil mir einmal so war,
Versuchte ich auch Prosa.
| Leben Sie lange und gesund | Ein göttlicher Dialog |
| Ein Platz für Heise | Der Serverflüsterer |
HelpDesk (17. April 2005)
Er las den Brief ein zweites Mal.
Sehr geehrter Herr Knickohr,
wie uns vom Amt für Renten-, Gesundheits- und Sozialbeiträge (ARGuS)
mitgeteilt wurde, haben Sie im vergangen Jahr zu über 90%
Nahrungsmittel der Klasse 1 (sehr gesund) konsumiert. Nach §4 Absatz
1. und 2. des Gesetzes zu Erlangung der Beitragsgerechtigkeit (GBG)
steht Ihnen daher eine Senkung Ihres Gesundheitskassenbeitrags von
3,2 von Hundert zu.
Leben Sie lange und gesund
Ihre GK
Er feixte. Nicht, dass er erwartet hätte, diesen Brief nicht zu
erhalten. Aber immer wenn er als Herr Knickohr angesprochen wurde,
huschte ein breites Grinsen über sein Gesicht.
Wie lange war das her? Fünfundzwanzig, nein, dreißig Jahre. Knickohr
war sein bester Kumpel gewesen, ein aufgeweckter Terrier, den Sie
verletzt am Straßenrand gefunden hatten. Der kleine Kerl hatte sich
schnell erholt, nur sein abgeknicktes rechtes Ohr zeugte noch von
seinem Unfall. Nach tagelangem Bitten und Flehen hatte ihm sein Vater
erlaubt, den Hund zu behalten. Er liebte Tiere. Knickohr, sein
Kanarienvogel Gelbschnabel und er waren die dicksten Freunde gewesen.
Er dachte an seine Kindheit zurück. Als sich seine Schulkameraden nur
für die Fußball WM im eigenen Land interessierten und sich beim
Fußball spielen stritten wer Ronaldinho, wer Ronaldo und wer Beckham
sein durfte, saß er lieber mit Knickohr auf seinem Schoß und
Gelbschnabel auf der Schulter bei seinem Vater am Computer und fragte
ihm Löcher in den Bauch.
Was machst du am Computer? - Arbeiten
Was arbeitest du? -. Ich schreibe ein Programm.
Was für ein Programm? - Es ist für die Fußball-WM.
Wieso schreibst du ein Programm für die Fußball-WM? - Damit ich
Geld verdiene und wir was zu Essen haben?
Wie funktioniert das Programm? .-. Das verstehst du nicht!
Sein Vater konnte nicht wissen, dass er mit seinen dreizehn Jahren
sehr wohl verstand wie das Programm funktionierte. Im Gegenteil, er
wusste sogar genau an welcher Funktion er im Moment programmierte,
und dass er gerade dabei war einen Fehler zu machen. Für einen kurzen
Augenblick überlegte er, seinen Vater darauf aufmerksam zu machen.
Aber dann fiel ihm ein, dass ihm sein Vater strengstens verboten
hatte, seinen Computer zu benutzen. Seit er vor zwei Jahren den
ausrangierten Rechner seines Vaters bekommen hatte, hatte er sich
auch daran gehalten. Aber er war sich nicht sicher, ob das Verbot
seines Vaters nicht auch für eine Netzverbindung zu seinem Rechner
galt.
Das war sein erster Hack gewesen. Zum ersten Mal auf einem Server der
Regierung hatte er sich dann mit achtzehn herumgetrieben, als er sich
vor der Bundeswehr drücken wollte. Es war lächerlich einfach gewesen.
Die Firma, bei der sein Vater gearbeitet hatte, betrieb inzwischen
alle Server der Regierung. Dies war im Gesetz zur Bedarfsgerechten
Leistungserbringung im öffentlichen Dienst (BLÖD) beschlossen worden.
Privatisierung hoheitleicher Aufgaben nannte man das. Und Herr
Knickohr war ihr Angestellter und verdiente gutes Geld, obwohl ihn
noch nie jemand zu Gesicht bekommen hatte. Er fragte sich, wieso die
Menschen Computern mehr vertrauten, als ihren eigenen Augen.
Aber er hatte jetzt keine Lust zu philosophieren. Er hatte Hunger. Er
biss genussvoll in seinem Hamburger. Den hatte Herr Gelbschnabel
bestellt. Herr Gelbschnabel war ein Ein-Euro-Jobber, der nicht sehr
auf seine Gesundheit achtete.
HelpDesk (28. April 2005)
Einstein: Hey, Alter!
Gott: Ja?
Einstein: Kannst du mir die allumfassende Formel sagen?
Gott: Bin ich ein Physiker?
Einstein: Aber du hast doch alles geschaffen und ...
Gott: Hör mal, das ist lange her.
Einstein: ???
Gott: Naja, ich hab's vergessen.
Einstein: Vergessen?
Gott: Ich hatte die Welt geschaffen und die Formel vergessen. Dann
schuf ich euch Menschen, damit ihr es für mich herausfindet. Du
hättest es ja beinahe geschafft.
Einstein: Aber nur beinahe, und jetzt?
Gott: Jetzt muss ich weiter warten.
Einstein (grübelt): Wenn du es nicht vergessen hättest, hättest du
die Menschen nicht schaffen müssen ...
Gott: Hmm, ...
Einstein: ... und wenn ich die Formel gefunden hätte, bräuchtest du
die Menschen nicht mehr ...
Gott: Hmm, ...
Einstein: ... und du hättest uns vernichtet.
Gott: Nein, das hättet ihr schon selbst gemacht!
HelpDesk (3. Mai 2005)
Heute sehen sie in unserer Reihe bedrohte Tierwelt:
Das Heise
Das Heise ernährt sich von den Klicks der poussierlichen Trolle.
Eine gern genommene Ergänzung zur täglichen Trollration stellen die
Klicks von Schlaumeiern, Besserwissern und Klugscheißern dar.
Ein besonderes Festmahl für das Heise sind die sogenannte Grünposts.
Allerdings muss das Heise oft lange Streifzüge durch sein Revier
unternehmen, um diese äußerst nahrhaften Leckerbissen zu finden.
HelpDesk (15. Dezember 2005)
Schmeiß die erste Seite raus, wir haben den Knüller! - Ja, mit
Fotos. Der Tipp war goldrichtig. Bitte? - Ja, der auch! Unglaublich
oder? Wie ich gesagt habe, goldrichtig! Und sag dem Ketzer, er soll
den Artikel schreiben, der kann dass am besten. - Genau, 10.000, wie
immer. Danke, dir auch einen schönen Tag. Da hast du recht, in
Berlin werden den einige nicht haben. Na, dann leg dich wieder
hin!
Grimmig lächelnd legte der Chefredakteur den Telefonhörer auf die
Gabel zurück. Er sah schon die Schlagzeile vor sich:
Schwarz-Rot-Rotlicht - Die große Kopulation. Die Auflage für die
nächsten Wochen war gesichert. Er fragte sich nur, wie sein Informant
das immer machte. Nun ja, geldgierig war er jedenfalls nicht. 10.000!
Ein Witz!
Er öffnete den Umschlag und nahm das Bündel heraus. Zufrieden ein
Liedchen vor sich hin trällernd, begann er zu zählen. Money makes
the - 500, 1000 - world go around, the world go around, the world go
2500, 3000 around. Money makes the world go around, it 5500,
6000, 6500 makes the world go round. A mark, a buck, a yen or
8500 a pound, a yen or a pound, a yen or 9500, 10000. Perfekt!
Schon der dritte Umschlag in diesem Monat. und für die nächsten zwei
hatte er die Daten schon beisammen. Er liebte es, immer etwas in
petto zu haben.
Bald war es soweit. Neuseeland, ich komme!, dachte er in freudiger
Erwartung. Dort zu leben war als kleiner Junge schon sein Traum
gewesen. Er hatte sogar das ungeliebte Studienfach Informatik
gewählt, weil er gelesen hatte, dass Computerspezialisten down
under gefragte Leute wären. Diese Wahl hatte sich als Glücksfall
erwiesen. Anscheinend hatte ihn der liebe Gott mit reichlich Talent
auf diesem Gebiet beschenkt. Leute, die ihn kannten, nannten ihn ein
Computergenie. Leute die gerne wissen würden, wer er denn sei,
nannten ihn einen Hacker. Für sich selbst zog er nicht ohne Humor die
Bezeichnung Serverflüsterer vor.
Er goss sich ein Glas Rotwein ein und prostete einem imaginären
Trinkbruder zu: Wohl bekomms! Auf die TK Vorratsdatenspeicherung und
auf Chauffeure die Handys benutzen!