Experiment:
Beide haben jeweils vor sich:
2 Drucktasten mit der Aufschrift "gesund" und "krank"
2 Signallämpchen mit der Bezeichnung "richtig" und "falsch"
Der Versuchsleiter projiziert nun eine Reihe von Gewebezellen und es ist
die Aufgabe der Versuchspersonen durch Versuch und Irrtum die gesunden
von den kranken Zellen unterscheiden zu lernen. A
und B müssen hierzu
bei jedem Bild die ihrer Diagnose entsprechenden Drucktasten betätigen,
worauf sofort das Lämpchen "richtig" oder "falsch" aufleuchtet.
Tatsächlich aber... (...hat
die Versuchsanordnung ihre geheimen Tücken)
Nur A
erhält jedesmal die zutreffende Antwort auf seine Diagnose. Da das
erlernen dieser Diagnose verhältnismäßig einfach ist, lernt
Person A
meistens bald, die gesunden von den kranken Zellen mit einer Verlässlichkeit
von 80% zu unterscheiden
B's
Situation ist jedoch eine ganz andere: Die Antworten, die er erhält
beruhen nicht auf seiner eigene Diagnose, sondern auf denen von
A's! B
erhält also dann die Antwort "richtig", wenn A
richtig geraten hat. Wenn A
sich geirrt hat, hat auch B
jedesmal die Antwort "falsch" signalisiert bekommen, ungeachtet welche
Diagnose B
tatsächlich gestellt hat.
Die Antworten, die
B
erhält, haben also rein gar nichts mit seinen Vermutungen zu tun,
die er mit der Aufgabenstellung verbindet und er hat auch keinerlei Möglichkeit
dies festzustellen.
A
und B werden nun ersucht, miteinander zu besprechen, welche Grundsätze
der Entscheidung zwischen gesunden und kranken Zellen sie entdeckt haben:
A's
Erklärungen sind meist einfach und konkret
B's
Annahmen dagegen sind subtil und komplex
Das Erstaunliche
ist nun, daß A
die Erklärungen von B
nicht einfach als unnötig kompliziert oder geradezu absurd ablehnt,
sondern von ihrer detaillierten Brillanz beeindruckt ist! Da Beide nicht
wissen, daß sie buchstäblich über zwei verschiedene Wirklichkeiten
sprechen, kommt A
zu der Einsicht, daß die banale Einfachheit seiner Erklärungsprinzipien,
der Subtilität von B's
Diagnosen unterlegen ist. Mehr noch: B's
Ideen klingen um so überzeugender je absurder sie sind!
Bevor sich A
und B
einem zweiten, identischen Test unterziehen, werden sie ersucht anzugeben,
ob A oder B bei diesem Test besser abschneiden wird, als bei seinem ersten.
Alle B's
und die meisten A's
vermuten, daß es B
sein wird!
Dies ist nun tatsächlich der Fall, da A
zumindest einige von B's
abstrusen Ideen übernommen hat und daher seine Vermutungen daher absurder
und dementsprechend unrichtiger sind als beim ersten Mal.
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Zusammenfassung:
Besteht einmal ein Unbehagen über
einen Desinformationszustand, der vielleicht nur durch eine beiläufige
Erklärung gemildert ist, führt zusätzliche, aber widersprüchliche
Information nicht zu Korrekturen, sondern zu weiteren Ausarbeitungen und
Verfeinerungen der Erklärung. Damit wird aber die Erklärung "selbst-abdichtend",
daß heißt, sie wird zu einer Annahme, die nicht falsifiziert
werden kann! Da jedoch Karl Popper nachgewiesen hat, daß gerade die
Falsifizierbarkeit (die Möglichkeit der Widerlegung) den Kern einer
wissenschaftlichen Theorie ausmacht, sind Erklärungsmodelle dieser
"wasserdichten" Art, pseudowissenschaftlich, abergläubisch und letzten
Endes psychotisch.
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